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Sustainability: vergleichende Ökobilanz „Wohnen am Anger" – Holzbau vs. Hybridbau

Projektzeitraum

März 2025 - April 2025

Leistungen
  • Holzbau
  • Kreislaufwirtschaft

Im Rahmen des Projekts „Wohnen am Anger" wurde auf Basis der Vorentwurfsplanung eine vergleichende Lebenszyklusanalyse (LCA) durchgeführt. Ziel war es, zwei Konstruktionsalternativen – eine reine Holzbauweise sowie eine Hybridbauweise aus Holz und konventionellen Materialien wie Beton und Stahl – hinsichtlich ihrer ökologischen Auswirkungen systematisch gegenüberzustellen und damit frühzeitig im Planungsprozess eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu schaffen.


Als Auswertungsplattform kam Madaster zum Einsatz, ein digitales Material- und Nachhaltigkeitsregister, das eine strukturierte Erfassung, Verknüpfung und Auswertung von Bauprodukten und -materialien über den gesamten Lebenszyklus ermöglicht. Die Datengrundlage bildete ein IFC-Modell, das eigens für die Ökobilanzierung angereichert wurde. Dabei wurden die geometrischen Bauteildaten des Modells mit projektspezifischen Aufbautenkatalogen verknüpft, die sämtliche relevanten Schichtaufbauten der Konstruktionen, Fassaden und weiterer Gebäudebauteile enthalten. Als Materialdatenbank diente ausschließlich die EPEA-Datenbank (Part of Drees & Sommer), wodurch eine einheitliche und konsistente Datenbasis für beide Varianten sichergestellt wurde. Die Klassifizierung der Bauteile erfolgte nach ÖNORM B 1801-1, und die Vollständigkeit der Quelldaten konnte auf 100 % gesichert werden – es bestanden weder fehlende Verknüpfungen noch unbekannte Gebäudeschichten oder unzureichende geometrische Angaben.


Die Ökobilanzierung folgte den Anforderungen der EN 15804 sowie EN 15978 und betrachtete den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes entlang der Phasen A (Herstellung und Errichtung), B (Nutzung), C (Rückbau und Entsorgung) sowie D (Vorteile und Belastungen außerhalb der Systemgrenze). Als Bezugsgröße diente die Bruttogeschossfläche von 2.642 m².


Bereits die Massenbetrachtung zeigt einen grundlegenden Unterschied zwischen den beiden Varianten: Die Holzbauweise kommt auf eine Gesamtmasse von 1,77 kt bei einer Materialintensität von 670 kg/m², während die Hybridbauweise mit 3,43 kt Gesamtmasse und einer Materialintensität von 1.300 kg/m² deutlich schwerer ausfällt. Dieser Massenunterschied ist nicht nur für statische Überlegungen relevant, sondern wirkt sich unmittelbar auf die Transportemissionen aus: Schwerere Baukonstruktionen erfordern mehr Transportvorgänge und erzeugen damit bereits in der Errichtungsphase einen höheren CO₂-Ausstoß.


Diese Tendenz spiegelt sich deutlich in den Ergebnissen des Global Warming Potential (GWP-total) wider. In der Herstellungsphase (A1–A3) erzielt die Holzbauweise mit −35 kg CO₂e/m² sogar einen negativen Wert, da im Holz biogen gebundener Kohlenstoff die fossilen Emissionen überwiegt. Die Hybridbauweise liegt in derselben Phase bei +87 kg CO₂e/m², also erheblich im positiven Bereich. Über den gesamten Lebenszyklus (ABCD) zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Holzvariante kommt auf 149 kg CO₂e/m², die Hybridvariante auf 249 kg CO₂e/m². Beim biogenen GWP, das den im nachwachsenden Material temporär gespeicherten Kohlenstoff abbildet, weist die Holzbauweise mit −207 kg CO₂e/m² (Phase A) einen deutlich stärkeren Kohlenstoffspeichereffekt auf als die Hybridbauweise mit −163 kg CO₂e/m². Das fossile GWP – ein Indikator für den Verbrauch fossiler Energieträger in der Herstellung – beträgt für die Holzbauweise 173 kg CO₂e/m² gegenüber 250 kg CO₂e/m² bei der Hybridbauweise.


Auch beim Primärenergieverbrauch zeigt sich die Holzbauweise vorteilhafter: Bei der nicht erneuerbaren Primärenergie (PENRT) liegt sie mit 1,5 GJ/m²a gegenüber 2,14 GJ/m²a der Hybridbauweise deutlich niedriger. Die erneuerbare Primärenergie (PERT) ist in beiden Varianten vergleichbar, wobei die Holzbauweise durch den höheren Anteil biogener Materialien naturgemäß etwas höhere Werte aufweist.


Zusammenfassend zeigt die vergleichende Ökobilanz klar, dass die Holzbauweise über nahezu alle betrachteten Indikatoren hinweg geringere Umweltauswirkungen erzeugt als die Hybridbauweise. Die Kombination aus niedrigerer Materialmasse, biogenem Kohlenstoffspeicher und geringerem Einsatz fossiler Energie macht den Holzbau zur ökologisch vorteilhafteren Konstruktionslösung für das Projekt „Wohnen am Anger"

MAIA360

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AnsprechpartnerIn Karl Koschek
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