Bei der Übergabe eines Gebäudes von Planung und Ausführung in den Betrieb gehen heute noch viele Informationen verloren oder müssen manuell neu erfasst werden. BIM-Modelle, Prüfprotokolle, Abnahmen, Wartungsunterlagen und technische Daten liegen häufig in unterschiedlichen Systemen und Formaten vor. Für Betreiber bedeutet das einen hohen Aufwand, bevor die Informationen tatsächlich im Facility Management genutzt werden können.
Das Forschungsprojekt FacilityQ setzt genau an dieser Schnittstelle an. Ziel ist es, Planungs- und Baudaten so aufzubereiten, dass sie strukturiert, maschinenlesbar und möglichst ohne manuelle Nacherfassung in den Gebäudebetrieb übernommen werden können.
FacilityQ entwickelt einen KI-gestützten Workflow, der Informationen aus BIM-Modellen, technischen Dokumenten und Gebäudedaten zusammenführt.
Dazu werden unter anderem BIM-Modelle, Prüf- und Abnahmeprotokolle, Bescheide, Messprotokolle und Wartungsunterlagen automatisiert ausgewertet. KI-Methoden unterstützen dabei, Dokumente zu klassifizieren, relevante Informationen zu erkennen und diese den entsprechenden Bauteilen oder technischen Anlagen zuzuordnen. Aus einem heterogenen Dokumentenbestand soll so eine strukturierte und durchsuchbare Datenbasis für den Betrieb entstehen.
Auch Informationen direkt aus dem Gebäude können berücksichtigt werden. Über Computer-Vision-Verfahren sollen beispielsweise Typenschilder, Anlagenkennzeichnungen oder Prüfplaketten erkannt und wichtige Gerätedaten automatisiert übernommen werden.
FacilityQ betrachtet die Übergabe in den Betrieb nicht als einmaligen Schritt am Ende eines Bauprojekts. Betriebsrelevante Informationen sollen bereits frühzeitig definiert und während Planung, Ausführung und Inbetriebnahme strukturiert weitergeführt werden.
Dafür entwickelt das Projekt ein phasen- und rollenbasiertes Datenmodell und untersucht offene, herstellerneutrale Austauschformate. Ziel ist eine Datenstruktur, die auch bei einem Wechsel von Software oder Betreiber erhalten bleibt und in unterschiedliche CAFM-Systeme übernommen werden kann.
Eine durchgängige Anlagenkennzeichnung verbindet dabei Bauteile, Dokumente und Betriebsinformationen über den Lebenszyklus hinweg. So können Daten, die einmal erzeugt wurden, auch in späteren Phasen weitergenutzt werden – vom Bau über Wartung und Betrieb bis zu Umbau und Rückbau.
Eine strukturierte Betriebsdatenbasis schafft die Grundlage für unterschiedliche Anwendungen: von der automatisierten Datenübernahme in FM-Systeme über Wartungs- und Gewährleistungsmanagement bis hin zu Nachhaltigkeitsnachweisen und langfristig auch Predictive Maintenance.
FacilityQ soll damit den Aufwand bei der Übergabe von Bau zu Betrieb deutlich reduzieren und gleichzeitig Datenqualität und Interoperabilität verbessern. Die FFG nennt als Projektziel eine Reduktion von Dauer und Kosten der Datenübergabe um mindestens 50 Prozent.
Koordination: AIT Austrian Institute of Technology GmbH
Projektpartner:
Digital Findet Stadt GmbH
FCP Fritsch, Chiari & Partner Ziviltechniker GmbH
immOH! Energie und Gebäudemanagement GmbH
ISH-Solutions GmbH
M.O.O.CON GmbH
TendX GmbH
Projektlaufzeit: 01.01.2026–31.12.2027
Projektförderung: 593.833 Euro
FFG-Projektnummer: FO999931752
Programm: Technologien und Innovationen für die klimaneutrale Stadt 2025
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