Das Projekt BIMpeco: Umweltrelevante Produktdaten im Gebäudelebenszyklus

Bei der DFS-Jahresabschlussveranstaltung stellte Veronika Huemer-Kals vom IBO – Österreichisches Institut für Baubiologie und -ökologie das Forschungsprojekt BIMpeco vor.

Bauprodukte können aufgrund ihrer Schadstoffgehalte oder Schadstofffreisetzungen ein Risikopotenzial für die Umwelt und die Gesundheit darstellen. Solche qualitativen Produkteigenschaften sind während der Gebäudenutzung und für die spätere Verwertung höchst relevant, werden aber in Ökobilanzen nicht abgebildet. Hier setzt das Forschungsprojekt BIMpeco an, das vom IBO in Kooperation mit weiteren Forschungsinstituten (AEE INTEC - Institut für Nachhaltige Technologien, Güssing Energy Technologies) und Softwarefirmen (A-NULL, ib-data, baubook) durchgeführt wird.

 „Quantitative umweltrelevante Daten wie Ökobilanzdaten finden noch am ehesten den Weg ins BIM-Modell. Uns ist wichtig, dass auch qualitative Eigenschaften wie Schadstoffgehalte oder Verwertungseigenschaften in die BIM-Umgebung einbezogen werden – nur so enthält ein digitaler Gebäudezwilling alle nötigen Informationen, um die Baustoffe am Ende des Lebenszyklus optimal zu verwerten“, erklärt Projektleiterin Veronika Huemer-Kals.  

Wie sollte nun ein Produktinformationsmanagement von umweltrelevanten Produktdaten gestaltet werden? Das BIMpeco-Projektteam hat sich stark an der ISO-Norm 23387 orientiert, in der „Construction Objects“ und „Data Templates“ beschrieben werden. Verknüpfungsmöglichkeiten zu den im BIM-Modell verorteten Elementen sind ebenfalls vorgegeben. Dadurch wird es möglich, das BIM-Modell nicht mit detaillierten Produktdaten zu überfrachten und dennoch über die Verbindung zwischen IFC-Elementen und Data Templates alle Daten verfügbar zu halten. Um die Datenverfügbarkeit über den ganzen Lebenszyklus des Bauwerks sicherzustellen, müssen z.B. Informationsanforderungen spezifiziert, die Daten entlang der Lieferkette weitergegeben und qualitätsgesichert werden.

Das BIMpeco-Team erarbeitete die Grundlagen für ein lebenszyklus- und lieferkettenbegleitendes Produktinformationsmanagement im Common Data Environment (CDE). Die in Österreich etablierten ÖkoBau-Kriterien für die ökologische Ausschreibung wurden dazu in ein ISO 23387-konformes Attributmodell übersetzt, Beispiel-Datenvorlagen (Data Templates) für umweltrelevante Produktinformationen zu verschiedenen Gruppen von Bauprodukten und Haustechnikkomponenten entwickelt.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den erforderlichen Workflows und Standards zur Einbindung dieser Produktinformationen in den Planungs- und Bauprozess. Beispielsweise sollten bereits in der Planungsphase den IFC-Elementen Bauproduktgruppen zugeordnet werden, um später die „richtigen“ Data Templates zu finden – idealerweise nach einer standardisierten Bezeichnungsliste. In Kooperation mit Digital Findet Stadt wird daher ein „Property Set“ definiert, in dem die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Bauproduktgruppe in verschiedenen Phasen des Planungs- und Bauprozesses beschrieben wird.

Die Projektergebnisse von BIMpeco werden 2023 veröffentlicht und unterstützen beim Aufbau eines lebenszyklusbegleitenden Produktinformationsmanagementsystems mittels Data Templates. Dafür sind aber noch viele weitere Schritte nötig:

  • Die Weiterarbeit an einheitlichen Produktbezeichnungen und Eigenschaftsdefinitionen zur Standardisierung.
  • Die Zurverfügungstellung von Daten in dieser maschinell lesbaren Form
  • Tools, mit welchen diese verarbeitet werden können.

„BIMpeco hat sicher Pionierarbeit geleistet – auf dem langen Weg zum lebenszyklusbegleitenden Produktinformationsmanagement“, schließt Huemer-Kals.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt finden Sie auf der Projektseite.

»Stadt der Zukunft« ist ein Forschungs- und Technologieprogramm des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie. Es wird im Auftrag des BMK von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gemeinsam mit der Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft mbH (AWS) und der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) abgewickelt.

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