Ohne Fortschritt keine Zukunft – ohne Innovation kein Erfolg. Unter diesem Motto brachte Digital Findet Stadt am 17. September 2026 beim 6. Innovationskongress im CAPE10 in Wien Entscheider:innen, Expert:innen, Forschung, Unternehmen und Start-ups aus der Bau- und Immobilienwirtschaft zusammen.
Ein Gedanke zog sich dabei durch den gesamten Kongresstag: Innovation ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist, ob neue Technologien, Prozesse und Geschäftsmodelle einen konkreten Mehrwert schaffen und ob es gelingt, sie aus Pilotprojekten in den Arbeitsalltag zu bringen.
Steffen Robbi, CEO von Digital Findet Stadt brachte diesen Gedanken in seinen Abschlussworten noch einmal auf den Punkt: „Veränderung passiert so schnell, dass wir nicht mehr auf vollständige Sicherheit planen können. Wir brauchen robuste Grundlagen, Mut, Vertrauen und die Fähigkeit, mit Veränderung umzugehen.“
Damit verbunden ist eine zentrale Erkenntnis des Tages: Innovation braucht Bereitschaft, unter Unsicherheit ins Handeln zu kommen. Gleichzeitig braucht es robuste Grundlagen, die mit Veränderung umgehen können, sowie diverse Teams, die unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen.
Steffen Robbi und Silvia Bruni, CEO des CAPE10, eröffneten gemeinsam den Kongresstag und spannten damit den Bogen für ein Programm, das strategische Fragen der Innovation mit konkreten Anwendungen in Planung, Bau und Betrieb sowie mit Aspekten sozialer Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung verband.
Den inhaltlichen Auftakt setzte Katharina Aguilar mit ihrer Keynote „Innovation. Jetzt.“. Ihr zentraler Punkt: Unternehmen können nicht darauf warten, alle Informationen zu besitzen oder perfekte Lösungen entwickelt zu haben. Innovation braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und bereit sind, Lösungen laufend weiterzuentwickeln. Ein Schlüsselbegriff ihrer Keynote war deshalb Ownership. Auch Scheitern und Iteration gehören dabei zum Innovationsprozess.
In der anschließenden CEO-Runde diskutierten Nadja Pröwer | Turner & Townsend, Claudia Brey | ÖBB, Peter Schaller | UBM Development und Katharina Aguilar, wie Innovation tatsächlich in Unternehmen verankert werden kann. Dabei wurde deutlich, dass Innovation nicht ausschließlich mit KI gleichzusetzen ist. Auch bestehende digitale Werkzeuge können erhebliche Effizienzgewinne bringen, wenn Prozesse entsprechend weiterentwickelt werden. Weitere Themen waren das Lernen aus Projekten, das Denken über Abteilungsgrenzen hinweg und die Frage, wie Unternehmen vom gewünschten Ergebnis her rückwärts planen können.
Denn wir können heute nicht exakt vorhersagen, wie Projekte, Technologien und Märkte in zehn Jahren aussehen werden. Umso wichtiger ist es, Systeme und Organisationen anpassungsfähig zu gestalten.
Der erste Fachblock rückte die Planung in den Mittelpunkt. Die Branche hat häufig nicht zu wenige Daten – sondern Schwierigkeiten damit, die richtigen Informationen strukturiert und zum richtigen Zeitpunkt verfügbar zu machen.
Frank Mettendorff | FCP stellte den „Datenstau“ zwischen Planung, Bau und Betrieb in den Mittelpunkt. Sein Bild vom Kreisverkehr statt der Kreuzung beschrieb dabei eine grundsätzlich andere Organisationslogik: weniger zentrale Freigaben und mehr dezentrale Verantwortung. Katharina Marie Lennartz | Carpus+Partner zeigte mit ihrem ganzheitlichen Ansatz zu Lean & Agile Management, dass Digitalisierung allein keine bessere Planung erzeugt. Gerade die Verbindung von Lean und Agile mit BIM schafft transparente Prozesse, einen gemeinsamen Informationsstand und bessere Zusammenarbeit. Steffen Robbi zeigte am Forschungsansatz BIMsustAIn, wie KI unvollständige BIM-Modelle automatisiert ergänzen kann. Maschinelles Lernen, regelbasierte Verfahren und Large Language Models können beispielsweise bei der Klassifikation von Bauteilen, der Zuordnung von Materialien und der Vorbereitung von Nachhaltigkeitsbewertungen unterstützen. Im Start-up Pitch stellte Michael Larisch | crais einen webbasierten openBIM IFC-Viewer mit KI-unterstützten Funktionen vor.
Im Panel wurde anschließend diskutiert, wie Daten, Prozesse und KI zusammenspielen müssen, damit neue Lösungen nicht bei Einzelprojekten stehen bleiben, sondern schrittweise zu neuen Standards werden können.
Im zweiten Themenblock wurde sichtbar, wie eng Prozessdigitalisierung, Industrialisierung und Automatisierung inzwischen miteinander verbunden sind.
Barbara Freiler | HANDLER Gruppe zeigte, wie Taktplanung und Digitalisierung dazu beitragen können, Bauabläufe transparenter, planbarer und verlässlicher zu gestalten. „Nicht die Software selbst ist die Innovation, sondern die Methode dahinter.“ Bernd Oswald | GROPYUS präsentierte anhand konkreter Projekte, wie weit industrialisierter Wohnbau bereits ist. Durch digitale Prozesse, Echtzeitdaten und automatisierte Vorfertigung werden Projektlaufzeiten deutlich verkürzt: „Wir reden hier von Monaten und nicht mehr von Jahren.“ Russell Loveridge | ETH Zürich führte diesen Gedanken in Richtung Digital Fabrication weiter. Er präsentierte Anwendungen robotergestützter Fertigung bis hin zu Systemen, bei denen Roboter mit KI-Unterstützung Bauteile und Module automatisiert bearbeiten und zusammensetzen. Ivan Voloshyn | Planara zeigte im Start-up Pitch, wie die Vorprüfung von Bauanträgen in Wien digital geht und adressiert damit einen Prozess, der bislang stark von manueller Prüfung geprägt ist.
Das anschließende Panel zeigte, wie der Weg vom digitalen Prozess zur automatisierten Baustelle gelingt und dadurch die Produktivität in der Bauausführung gesteigert werden kann.
Aline von Baumbach | BIG stellte das zentrale Energieverbrauchsmonitoring der BIG vor. Die Lösung schafft eine Basis für energieeffizienten Betrieb sowie KI-gestütztes Energiemanagement. Ina Werner | Siemens richtete den Blick auf heterogene Bestandsportfolios. Unterschiedliche Gebäudeleittechniken und Insellösungen erhöhen Aufwand und Kosten. Sie zeigte einen Ansatz, bestehende Systeme über offene, interoperable und skalierbare Strukturen zusammenzuführen. Gerhard Zucker | AIT nahm mit FacilityQ eine der größten Bruchstellen im Gebäudelebenszyklus in den Blick: die Übergabe vom Bau in den Betrieb. Das Projekt verfolgt deshalb das Ziel, Dokumente automatisiert zu klassifizieren, mit BIM-Objekten zu verbinden und über offene Schnittstellen an CAFM-Systeme zu übergeben. Beim Start-up Pitch präsentierte Roman Rath seine intelligente und KI-basierte Plattform project-home.ai.
Auch hier war die zentrale Botschaft des Panels eindeutig: Nicht die größtmögliche Datenmenge entscheidet über einen guten Gebäudebetrieb. Entscheidend ist, relevante Informationen in ausreichender Qualität zur richtigen Zeit bei den richtigen Personen verfügbar zu machen.
Neben Keynote, Impulsen, Panels und Start-up Pitches boten drei Kamingespräche bewusst Raum für vertiefenden Austausch. Nina Königshofer und Janine Schulyok | M.O.O.CON gingen unter dem Titel „Aktenzeichen Gebäudebestand“ der Frage nach, wo bei Bestandsdokumentation und Übergabe in den Betrieb Informationen verloren gehen. Im Fokus standen Informationsbrüche, Standards, Verantwortlichkeiten und die Frage, wie Daten früher für den späteren Betrieb vorbereitet werden können. Ina Werner | Siemens lud beim „Realitätscheck Gebäudebetrieb“ dazu ein, konkrete Herausforderungen aus dem Betriebsalltag mit Fokus auf die tatsächlichen Anforderungen der Betreiber:innen zu diskutieren. Stefan Pernet und Heinz-Michael Ruhland | NEVARIS stellten beim Gespräch die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Bauwirtschaft in den Mittelpunkt. Ihre Botschaft: Zukunft ist kein Zufall. Digitalisierung, Produktivität und Innovationsbereitschaft müssen aktiv gestaltet werden.
Innovation entsteht jedoch nicht nur dort, wo Lösungen bereits marktreif sind. In der Innovation Corner von Digital Findet Stadt erhielten die Teilnehmer:innen Einblicke in laufende Forschungs- und Innovationsvorhaben. Mit Projekten wie BauHALPS, BIMsustAIn, CSR:H, KRAISBAU, Weiterbildungs-Lab💡und ReSpace wurden Ansätze von kreislauffähigem Bauen und Wiederverwendung über digitale Bestandsdaten bis hin zu KI-gestützten Entscheidungsgrundlagen vorgestellt. Nach einem intensiven Kongresstag ging der Austausch bei der Afterparty mit Cocktails, Snacks und Networking weiter. Unser besonderer Dank gilt allen Speaker:innen, Panelteilnehmer:innen, Start-ups und Partnern, die ihre Erfahrungen offen geteilt und damit den fachlichen Austausch ermöglicht haben.
Barbara Ohnewas, Leiterin der Digitalakademie, lud die Teilnehmer:innen außerdem dazu ein, beim von der Digitalakademie gesponserten Gewinnspiel mitzumachen. Gesucht wurden die Icon Buddys, die sich auf den Namensschildern der Teilnehmer:innen befanden. Ziel war es, im Laufe des Kongresses die Person mit dem jeweils passenden Icon zu finden und dabei ganz nebenbei neue Kontakte zu knüpfen. Zu gewinnen gab es drei Plätze in der neuen KI-Praxiswerkstatt | Bau & Immobilien. Die Weiterbildung startet am 12. November 2026 und vermittelt praxisnahes Handwerkszeug, um KI gezielt im Arbeitsalltag einzusetzen und bestehende Abläufe wirksam zu unterstützen.
Ebenso bedanken wir uns bei unseren Sponsoren und Unterstützern, insbesondere NEVARIS, Siemens , der Digitalakademie und BauMaster, sowie bei M.O.O.CON, der Wirtschaftsagentur Wien, SCHAFFSCH und Heid & Partner Rechtsanwälte.
Der 6. Innovationskongress hat sehr unterschiedliche Technologien und Ansätze zusammengebracht – von Lean Management, BIM und KI über industrielle Vorfertigung und Robotik bis zu Energiemonitoring und digitalem Gebäudebetrieb. Der gemeinsame Nenner lässt sich dennoch einfach zusammenfassen:
Innovation beginnt nicht bei einer Technologie. Sie beginnt bei einem konkreten Problem. Sie braucht Daten und funktionierende Prozesse, Menschen, die Verantwortung übernehmen und Unternehmen, die bereit sind, Lösungen tatsächlich umzusetzen.
Denn erst wenn aus einer Idee ein funktionierender Prozess und aus einem Pilotprojekt tägliche Praxis wird, entsteht der Mehrwert, den unsere Branche dringend benötigt.
💡 Kooperationspartner für das Weiterbildungs-LAB gesucht
Im Rahmen des Forschungsprojekts Weiterbildungs-LAB entwickeln ausgewiesene Expert:innen zukunftsweisende Fortbildungsformate zur Digitalisierung der Bau- und Immobilienwirtschaft. Dafür suchen wir Kooperationspartner aus der Branche, die uns bei der Pilotierung der Weiterbildungen unterstützen und mit ihrem Praxisfeedback zur Weiterentwicklung der Inhalte beitragen.
Unternehmen haben dabei die Möglichkeit, ihren Mitarbeitenden frühzeitig praxisnahes Rüstzeug für kommende Herausforderungen im Bauwesen mitzugeben. Die Schulungen und Lehrgänge können während der Pilotierungsphase zu 50 % des zukünftigen Marktpreises in Anspruch genommen werden.
